Gendergerecht zu Fuß: Wissenschaftliche Untersuchung zur gendersensiblen Planung des Fußverkehrs

 Auftraggeber: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Gleichstellungsbeauftragte 

 Laufzeit: 2025 – 2026 

Wie unterscheiden sich die Anforderungen an das Zufußgehen, wenn Mobilität nicht nur anhand baulicher Standards, sondern aus der Perspektive unterschiedlicher Alltagserfahrungen betrachtet wird? Im Projekt „Gendergerecht zu Fuß“ untersucht STRATMO den Fußverkehr in Charlottenburg-Wilmersdorf aus einer gendersensiblen und intersektionalen Perspektive. Im Mittelpunkt stehen subjektive Sicherheit, Barrierefreiheit, Wegeketten, Aufenthaltsqualität und die Frage, wie sich unterschiedliche Lebenssituationen und Sorgeverantwortungen auf die Nutzung des öffentlichen Raums auswirken.

Untersucht wurden mit dem Stuttgarter Platz, dem Heidelberger Platz und dem Mierendorffkiez drei unterschiedliche Stadträume. Das Forschungsdesign verbindet quantitative und qualitative Methoden: Insgesamt wurden 68 Personen standardisiert zu ihren Erfahrungen im Fußverkehr befragt. Ergänzend begleiteten sechs teilnehmende Beobachtungen Frauen zwischen 30 und 75 Jahren auf ihren alltäglichen Wegen. Gespräche, Beobachtungen und Fotodokumentationen machten dabei auch solche Barrieren und Unsicherheiten sichtbar, die sich mit klassischen infrastrukturellen Bestandsaufnahmen nur eingeschränkt erfassen lassen.

Die Ergebnisse wurden für jeden Standort räumlich ausgewertet und in Mängel-Chancen-Bindungen-Karten zusammengeführt. Dabei zeigt sich, dass gute Erreichbarkeit nicht allein von kurzen Distanzen abhängt. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der gesamten Wegekette: sichere Querungen, verständliche Orientierung, funktionierende Barrierefreiheit, ausreichende Beleuchtung, soziale Kontrolle und attraktive Aufenthaltsräume beeinflussen wesentlich, ob Wege tatsächlich selbstständig und selbstverständlich genutzt werden können.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt deshalb auf dem Transfer in die kommunale Planungspraxis. Bestehende Fußverkehrs-Checks wurden daraufhin untersucht, welche Anforderungen gendersensibler Alltagsmobilität bislang nur unzureichend berücksichtigt werden. Aus den empirischen Ergebnissen wurden zusätzliche Kriterien und methodische Hinweise entwickelt, mit denen beispielsweise subjektive Sicherheit, Sorge- und Begleitmobilität, soziale Kontrolle und intersektionale Unterschiede systematischer in Planung und Bewertung einbezogen werden können. Das Projekt wurde von Dr. Oliver Schwedes wissenschaftlich begleitet und in einem umfangreichen, mit DOI veröffentlichten Forschungsbericht dokumentiert.

Projekteinblicke

Unsere Leistungen:

  • Wissenschaftliche Recherche: Systematische Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und kommunaler Praxisbeispiele zu Gender und Mobilität, subjektiver Sicherheit und Angsträumen sowie bestehenden Fußverkehrs-Checks. Die Recherche bildete die Grundlage für Standortauswahl, Erhebungsinstrumente und spätere Handlungsempfehlungen.
  • Passant:innenbefragung: Durchführung standardisierter Kurzbefragungen am Stuttgarter Platz, Heidelberger Platz und im Mierendorffkiez. Insgesamt wurden 68 Personen zu Erreichbarkeit, Fußverkehrsinfrastruktur, Aufenthaltsqualität, Sicherheit, Barrieren und Verbesserungsvorschlägen befragt.
  • Teilnehmende Beobachtung: Durchführung von sechs Go-Alongs mit Frauen unterschiedlicher Alters- und Lebenssituationen auf ihren alltäglichen Wegen. Die rund einstündigen Begehungen kombinierten leitfadengestützte Gespräche, Beobachtungen, Fotodokumentation und räumliche Verortung, um situative Wahrnehmungen und individuelle Anpassungsstrategien sichtbar zu machen.
  • GIS-Analyse: Räumliche Untersuchung und Kartierung der drei Untersuchungsstandorte sowie Verknüpfung der quantitativen und qualitativen Erhebungsergebnisse mit konkreten Orten. In standortbezogenen Mängel-Chancen-Bindungen-Karten wurden Barrieren, Qualitäten, Unsicherheitsräume und Verbesserungspotenziale räumlich verdichtet.
  • Gender Impact Assessment: Systematische Bewertung der Fußverkehrsräume aus gendersensibler und intersektionaler Perspektive. Untersucht wurde, wie räumliche Gestaltung, Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, soziale Kontrolle, Sorgeverantwortung und subjektive Sicherheit die selbstständige Mobilität unterschiedlicher Personengruppen beeinflussen.
  • Fußverkehrs-Check: Analyse bestehender kommunaler Fußverkehrs-Checks und Entwicklung von Vorschlägen für ihre gendersensible Weiterentwicklung. Ergänzt werden unter anderem Kriterien zu Sichtbeziehungen, sozialer Kontrolle, Aufenthaltsqualität, subjektiver Sicherheit sowie Hinweise zur Einbindung bislang unterrepräsentierter Nutzer:innengruppen und zur Kombination quantitativer und qualitativer Methoden.
  • Forschungsbericht: Wissenschaftliche Zusammenführung von Forschungsstand, Untersuchungsdesign, empirischen Ergebnissen und Handlungsempfehlungen in einem rund 170-seitigen Forschungsbericht. Die Veröffentlichung dokumentiert die standortbezogenen Untersuchungen ebenso wie übergreifende Empfehlungen für Planung und Politik und wurde mit DOI dauerhaft zitierfähig publiziert.

Projektergebnisse




Unser Projektteam

Alexander Rammert
 Projektleitung 
Noemi Kuß
 Projektmitarbeit 
Yuri Ferenczy
 Projektmitarbeit 


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