Verkehrsberuhigung in Berlin: Wissenschaftliche Metastudie zu Verkehrssicherheit, Akzeptanz und öffentlichen Diskursen

 Auftraggeber: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin 

 Laufzeit: 2025 – 2026 

Kiezblocks und andere flächenhafte Verkehrsberuhigungsmaßnahmen werden in Berlin intensiv diskutiert. Während zahlreiche Projekte inzwischen umgesetzt oder erprobt wurden, lagen Erkenntnisse zu ihren tatsächlichen Wirkungen, ihrer Wahrnehmung durch die Bevölkerung und den wiederkehrenden Konfliktlinien bislang überwiegend in einzelnen Studien, Evaluationen und Beteiligungsverfahren vor. STRATMO führte diese unterschiedlichen Wissensbestände erstmals in einer wissenschaftlichen Metastudie zur Verkehrsberuhigung in Berlin zusammen. Ziel war es, die Debatte auf eine nachvollziehbare empirische Grundlage zu stellen und daraus Empfehlungen für zukünftige Verkehrsberuhigungsprogramme abzuleiten.

Die Untersuchung verbindet drei Analyseebenen: Für mehrere umgesetzte Berliner Kiezblocks wurde das Unfallgeschehen im Vorher-Nachher-Vergleich untersucht. Parallel wurden bestehende Befragungen und Beteiligungsverfahren aus verschiedenen Berliner Quartieren vergleichend ausgewertet, um Veränderungen von Verkehrssicherheit, Lärmbelastung, Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und Akzeptanz zu untersuchen. Eine Diskursanalyse ergänzte diese empirischen Befunde um die Frage, welche Narrative und Konfliktmuster die politische und mediale Wahrnehmung von Verkehrsberuhigung prägen.

Ergänzend wurden internationale Erfahrungen aus Barcelona, Gent, London und Paris ausgewertet und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf Berlin untersucht. Die zusammengeführten Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Verkehrsberuhigung nicht allein von der verkehrlichen Maßnahme abhängt: Gestaltung, Beteiligung, politische Rahmensetzung und Kommunikation beeinflussen maßgeblich, wie Maßnahmen wirken und gesellschaftlich wahrgenommen werden. Aus den Analysen wurden konkrete Empfehlungen für zukünftige Berliner Programme entwickelt.

STRATMO bereitete die Ergebnisse auf zwei Ebenen auf: Ein umfangreicher wissenschaftlicher Forschungsbericht dokumentiert Datengrundlagen, Methodik, Analysen und Handlungsempfehlungen nachvollziehbar und ist mit einer DOI dauerhaft zitierfähig. Ergänzend wurde eine Kommunikationsbroschüre entwickelt, die die wichtigsten Erkenntnisse, Grafiken und Botschaften für Politik und Öffentlichkeit verdichtet. Damit verbindet das Projekt wissenschaftliche Analyse bewusst mit verständlicher und faktenbasierter Kommunikation.

Projekteinblicke

Unsere Leistungen:

  • Unfallanalyse: Untersuchung des Unfallgeschehens in umgesetzten Berliner Kiezblocks anhand symmetrischer Vorher-Nachher-Zeiträume. Ausgewertet wurden unter anderem Unfallort, Unfallschwere, Verkehrsbeteiligung sowie mögliche Verlagerungen zwischen Neben- und Hauptverkehrsstraßennetz.
  • GIS-Analyse: Räumliche Abgrenzung der untersuchten Quartiere und Zuordnung der Unfalldaten zu Nebenstraßen, Hauptverkehrsstraßen und Übergangsbereichen als Grundlage der vergleichenden Verkehrssicherheitsanalyse.
  • Sekundärdatenanalyse: Systematische und vergleichende Auswertung vorhandener Befragungen und Beteiligungsverfahren aus Berliner Kiezblocks. Betrachtet wurden unter anderem Verkehrssicherheit, Lärm, Aufenthaltsqualität, Mobilitätsverhalten, Erreichbarkeit und Akzeptanz.
  • Diskursanalyse: Untersuchung politischer und medialer Argumentationsmuster rund um Kiezblocks und Verkehrsberuhigung. Fakten, Wahrnehmungen und wiederkehrende Narrative wurden systematisch gegenübergestellt, um kommunikative Konfliktlinien und Möglichkeiten zur Versachlichung der Debatte herauszuarbeiten.
  • Best-Practice-Analyse: Vergleich flächenhafter Verkehrsberuhigungsansätze unter anderem in Barcelona, Gent, London und Paris. Erfolgsbedingungen bei Umsetzung, Beteiligung und Kommunikation wurden analysiert und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf Berlin eingeordnet.
  • Forschungsbericht: Erstellung eines rund 100-seitigen wissenschaftlichen Berichts mit Forschungsstand, Methodik, empirischen Analysen, internationaler Einordnung und Handlungsempfehlungen für zukünftige Verkehrsberuhigungsprogramme in Berlin. Der Bericht wurde als eigenständige zitierfähige Veröffentlichung mit DOI publiziert.
  • Wissenschaftskommunikation: Konzeption, Redaktion und Gestaltung einer eigenständigen Kommunikationsbroschüre. Zentrale Forschungsergebnisse wurden hierfür in verständliche Kernaussagen, Karten, Infografiken und Handlungsempfehlungen übersetzt und für die politische und öffentliche Kommunikation aufbereitet

Projektergebnisse





Unser Projektteam

Alexander Rammert
 Projektleitung 
Noemi Kuß
 Projektmitarbeit 
Chiara Stix
 Projektmitarbeit 
Sven Hausigke
 Projektmitarbeit 


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